Strategische Moves im Schweizer Arbeitsmarkt 2026
Is this your podcast and want to remove this banner? Click here.
Chapter 1
Wechselspiel: Arbeitsmarktveränderungen und Risiko für Senior Professionals
Martina neu
Willkommen zurück zu einer neuen Episode von "Innovation im Schweizer Arbeitsmarkt"! Ich bin Martina und heute gehen wir tief rein in die strategischen Veränderungen, die Senior Professionals 2026 unbedingt im Blick haben sollten. Sam, ich hab in letzter Zeit so oft gehört, dass Büro- und Verwaltungsjobs irgendwo "aussterben". Und dazu gibts jetzt auch harte Zahlen: Im Swiss Job Market Index vom dritten Quartal 2025 sieht man einen krassen Rückgang – 17,4% weniger Verwaltungsjobs pro Jahr, und bei Bürokräften mit Kundenkontakt sogar über 30%! Das sind Callcenter, Empfang, auch leitende Verwaltung und HR. Die merken die Welle als Erste. Ich frag mich echt, ob das jetzt der endgültige Abschied von der klassischen Schreibtisch-Karriere ist.
Sam
Ja, da läuft echt was Grundlegendes schief – oder vielleicht auch richtig, je nach Perspektive. Was ich spannend finde: Die Lücke ist riesig zwischen Privatwirtschaft und Staat. Während bei Novartis gerade 550 Stellen wegfallen und Helvetia/Balois gar bis zu 2600 weltweit abbauen, stockt die öffentliche Hand auf. Im Gesundheits- und Sozialwesen wurden allein zwischen 2024 und 2025 mehr als zehntausend neue Vollzeitstellen geschaffen! Öffentliche Verwaltung bleibt im Gegensatz zum Rest relativ stabil. "In der Schweiz wächst fast nur noch der Staat", wurde letztens treffend zusammengefasst.
Martina neu
Genau, und das ist kein Klischee. Ich hab da einen aktuellen Fall: Ein Senior-Manager aus der Finanzbranche, zwanzig Jahre im Privatsektor, ist nach einer Kündigung nicht lange in der Luft gehangen. Er hat sich gezielt für einen CAS Public Management an der ZHAW eingeschrieben, also eine Weiterbildung, und ist kurz darauf in die öffentliche Verwaltung gewechselt. Seine Skills – vor allem Budgetverantwortung und Stakeholder-Management – waren plötzlich richtig wertvoll. Das zeigt: Der "Branchenwechsel" ist für erfahrene Leute oft die sicherste Strategie, auch wenn es Mut braucht.
Sam
Das Beispiel trifft es total. Und, Martina, wenn ich diese Zahlen so sehe – Arbeitslosenquote bei den 50- bis 64-Jährigen plus 14% zum Vorjahr, über achtunddreissigtausend Menschen – dann wird klar: Gerade die Senior Professionals, die sich auf ihre Erfahrung verlassen haben, werden in der Administration immer schneller abgehängt. Es zählt jetzt, wie anpassungsbereit du bist, und weniger, wie lange du schon dabei bist. Da kann der Wechsel in den öffentlichen Sektor tatsächlich zum Rettungsanker werden.
Martina neu
Voll, und es geht ja nicht nur um "irgendeinen" Job, sondern auch um anspruchsvolle Rollen – Projektleitung, Digitalisierung, Change Management. Der Staat braucht die Expertise der "gestandenen" Leute, um die riesigen Transformationen wie E-Government und Energiewende voranzubringen. Ich will noch betonen: Administration "verwaltet" im besten Fall heute digitale Prozesse und Menschen – die alte Welt des Papierordners ist endgültig durch.
Sam
Ja, Martina, das Bild der sicheren Bürokarriere hat sich gedreht. Und diesmal treffen die Konsolidierung und Automatisierung wirklich die "White Collar"-Ebene zuerst. Aber es gibt trotzdem interessante Chancen – darauf kommen wir sicher gleich noch zu sprechen.
Chapter 2
KI und Automatisierung als Gamechanger: Anpassungsdruck für Profis
Martina neu
Sam, lass uns direkt zu den Ursachen springen: KI und Automatisierung – das ist so der große Gamechanger, oder? Der Microsoft Work Trend Index 2025 sagt, dass 52% aller Schweizer Firmen komplette Geschäftsprozesse mit KI digitalisiert haben. Die Schweiz liegt damit deutlich über EU-Schnitt! Und diese Automatisierung ist nicht mehr nur ein Pilotversuch, das ist jetzt Standard in jeder vierten Firma.
Sam
Absolut! Jetzt müssen wir aber auch ehrlich sein: das Paper von Microsoft ist ganz klar ein Verkaufspaper. Unser Einblick, den wir bei sehr vielen mittleren und kleinen Firmen haben, zeigt ein anderes Bild. Viele würden gerne weiter automatisieren, kommen aber nicht wirklich dazu. Das hat verschiedene Gründe. - Aber lassen wir das mal auf der Seite. Automatisierung und KI, das ist keine Zukunftsmusik mehr. Es reicht nicht mehr, einfach zu sagen "Bei uns kümmert sich die IT um KI"; das ist in Vorstellungsgesprächen fast schon K.O.-Kriterium. "AI Savviness" wird quasi zum neuen Mindeststandard. Du musst wissen, wie man mit KI arbeitet, und diese Tools im täglichen Geschäft verantwortungsvoll und effizient einsetzen kannst. Und Du musst wissen, wie du die richtigen Prompts stellst, - wann KI welche Aufgaben erledigen kann, aber eben auch, wo du menschliches Urteilsvermögen brauchst. Das ist ein komplett neues Skillset.
Martina neu
Ja, und das ist nicht nur Technik! Emotionale Intelligenz, kritisches Hinterfragen von KI-Ergebnissen, geschickte Kommunikation – all das ist jetzt auch wieder deutlich mehr gefragt. Ein Beispiel: Ich hab letztens gelesen, dass KI-Jobs in der Schweiz seit 2018 verzehnfacht wurden laut PwC, aber nur ein kleiner Bruchteil davon sind klassische IT- oder Programmierer-Jobs. Die meisten Profile suchen Leute, die Brücken bauen zwischen Technik und Business.
Sam
Da muss ich sofort an eine Führungskraft denken, die ich vor kurzem betreut habe. Ursprünglich Pharma, super erfahren, aber digital war eher so lala. Dann kam die Weiterbildung mit dem xMBA Programm, und auf einmal wurde sie bei Roche als Schnittstelle zwischen KI-Teams und operativen Linien eingesetzt. Weil sie versteht, wie die Leute "ticken" und die Transformation begleiten kann. So was ist heute Gold wert.
Martina neu
Ja, und das Prompt Engineering ist auch so ein Thema, das kommt von vielen total unterschätzt. Es reicht eben nicht, KI einfach irgendwas zu überlassen – man muss genau formulieren, was man will. Sonst spuckt sie halt Unsinn aus. Also, um’s plakativ zu sagen: Wer erfolgreich bleiben will, muss jetzt "digital veredeln", was er an Erfahrung mitbringt. Soft Skills bleiben wichtig, aber sie müssen ins Digitale übertragen werden.
Sam
Genau! Und Firmen suchen immer mehr nicht mehr nicht nach klassischen Managern von gestern, sondern ESG-Profis, "AI Ethics Officer", Data Governance Leute... Profile, an die vor drei Jahren kaum einer gedacht hat. Das sind Chancen für erfahrene Leute, die bereit sind, sich in neue Positionen hineinzudenken und ihre Autorität auf Neues aufzubauen.
Martina neu
Und es ist spannend: KI nimmt viele operative Standardjobs weg, schafft aber neue Management-Rollen rund um Training, Überwachung und ethische Steuerung. Wer sich jetzt weiterbildet und die Brücke zwischen Tradition und Tech schlägt, wird dringend gebraucht.
Chapter 3
Strategische Chancen: Sektoren, Diversität und Wandel aktiv gestalten
Sam
Wenn wir jetzt weiterdenken, Martina, es fragt sich ja: Wo können Senior Professionals heute wirklich punkten? Die klassischen C-Level-Positionen werden seltener fest besetzt, aber es gibt Wachstumsinseln, oder?
Martina neu
Ja, ganz eindeutig. Schaut man auf den aktuellen Branchen-Ausblick, dann boomt die öffentliche Verwaltung – gerade für Generalisten und Projektleiter ist das ein sicherer Hafen. Auch das Gesundheitsmanagement wächst, allerdings nicht nur am Patientenbett. Gerade Management-, HR- oder Logistikfunktionen in Spitälern oder Pflegeheimen sind krisensicher und brauchen Erfahrung mit komplexen Systemen. Und Interim Management, da brummt der Markt! Sam, hast du schon mal auf Plattformen wie VRMandat.com gesurft? Da werden Board- oder Projektmandate mit richtig attraktiven Tagessätzen gesucht, oft über 1'700 Franken am Tag.
Sam
Ja, hab ich, und die Nachfrage ist da richtig spürbar gestiegen in den letzten Monaten. Gerade Firmen, die in unsicheren Zeiten Erfahrung für Transformationen brauchen, setzen lieber auf temporäre Verstärkung als teure festeinstellungen. Die Rolle des "Feuerwehrmanagers", der mal schnelle Hilfe leistet und dann wieder abdampft, ist dabei keine Sackgasse, sondern oft ein lukrativer Karriere-Move.
Martina neu
Und noch ein Aspekt: Diversity & Inclusion. Unternehmen, die in Sachen Vielfalt, flexible Arbeitsmodelle und Entwicklungskultur fit sind, performen laut McKinsey bis zu 39% besser. Das ist kein weiches "Nice-to-have" mehr, sondern handfestes Business-Interesse. Besonders Frauen, ausländische Professionals und ältere Arbeitnehmende sind gefragt – solange sie Wandel proaktiv gestalten wollen.
Sam
Das macht total Sinn, denn die Bewerber werden wählerischer, Arbeitgeber müssen sich aktiv positionieren. Aber Martina, wie würdest du empfehlen, dass Senior Professionals ihre bisherigen Kompetenzen so übersetzen, dass sie im öffentlichen oder Non-Profit-Bereich als echte "Gamechanger" auftauchen – und nicht als Ex-Private-Banker, der jetzt einfach "weitermacht"?
Martina neu
Super Frage. Ich glaube, es fängt beim Umdenken im eigenen Profil an. Statt "Profitmaximierung" gehört jetzt "Prozesseffizienz", "Budgettreue" und "Gemeinwohlorientierung" in den Lebenslauf. Der Staat sucht nicht einfach Controller, sondern Profis, die Stakeholder managen und Transparenz bringen können. Wer den Wechsel wagt, sollte das bewusst herausstellen – und im Idealfall gleich mit einem Weiterbildungscertifikat wie dem CAS Public Management signalisieren, dass er die Regeln des Sektors versteht.
Sam
Genau – also Mut zum Neuanfang, aber das mit einem strategischen Plan. Ich seh das ähnlich: Wirklicher Mehrwert entsteht heute, wenn Erfahrung sich mit Lernbereitschaft und dem Willen zur Veränderung paart. Alles, was Wandel und Vielfalt fördert, bringt nicht nur Anerkennung, sondern oft auch den nächsten Karriereschritt.
Chapter 4
Networking und lebenslanges Lernen für nachhaltigen Erfolg
Martina neu
Und damit sind wir schon bei dem Thema, das eigentlich immer mitschwingt – wie macht man aus Chancen echten Erfolg? Ich sag’s ehrlich: Wer sich heute nicht in Branchen- und Fachnetzwerke einbringt, verpasst mindestens 70% aller spannenden Stellen, vor allem für Senior Professionals. Sam, du erinnerst dich sicher an unsere Folge zum verdeckten Arbeitsmarkt – ohne Netzwerk läuft in den oberen Etagen fast nichts mehr.
Sam
Absolut richtig, Martina. Gerade im Senior-Bereich werden Jobs selten noch offiziell ausgeschrieben. Die Qualitätsnetzwerke, der direkte Draht zu Executive Searchern, das ist heute viel entscheidender als jede Online-Bewerbung. Man muss sichtbar sein, und zwar nicht als "Suchender", sondern als Experte, der sich fachlich und persönlich engagiert und Wissen teilt. LinkedIn ist dabei nur ein Baustein.
Martina neu
Genau! Und dazu gehört auch lebenslanges Lernen. Wer regelmässig Zertifikate, etwa in KI, Data Literacy oder ethischer Führung, nachlegt, beweist Innovationsfähigkeit. Weiterbildung ist heute keine Reaktion auf die Kündigung, sondern Teil des professionellen Selbstverständnisses. Auch Mentoring-Programme oder Reverse Mentoring sind super, um die Perspektiven zu wechseln – und selbst als erfahrene Führungskraft noch Neues mitzunehmen.
Sam
Das bringt einen auch weg von der Passivrolle. Ich glaube, der Trick ist, nie in „alten“ Mustern zu verharren. Egal ob auf LinkedIn oder im Verband: Präsenz zeigen, Events besuchen – und vor allem Beziehungen langfristig pflegen, nicht nur dann, wenn die Not am grössten ist. Und ehrlich gesagt... ich habe selbst schon von Jüngeren profitiert, sei’s beim Verständnis neuer Tools oder im Bereich KI-Prompting. Das gibt immer frischen Wind – und hält beweglich.
Martina neu
Sehr gut auf den Punkt gebracht, Sam. Also, sich weiterbilden, Netzwerk pflegen und offen für neue Rollen sein – das bleibt das Erfolgsrezept, auch in turbulenten Zeiten wie diesen. Ich glaube, das können wir als Takeaway heute definitiv mitgeben.
Sam
Absolut. Und keine Panik: Wer neugierig bleibt und an sich arbeitet, findet auch in einem stürmischen Markt neue Wege. Ich freue mich schon auf unser nächstes Thema – und bis dahin: Bleibt innovativ, bleibt mutig!
Martina neu
Danke, Sam, danke an alle Hörerinnen und Hörer. Wir sind das nächste Mal wieder mit neuen Trends für euch da. Macht’s gut und tschüss zusammen!
Sam
Tschüss Martina, tschüss an alle da draussen!
