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Der verdeckte Arbeitsmarkt: Wo die Jobs wirklich auftauchen

Der verdeckte Arbeitsmarkt: Wo die Jobs wirklich auftauchen

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In dieser Folge von ISA Signal geht es um den verdeckten Arbeitsmarkt: warum viele Stellen nie ausgeschrieben werden, wie die Stellenmeldepflicht wirklich wirkt und welche Signale vor einer Ausschreibung zählen. Anhand von Beispielen zeigen Lena und Marc, wie Empfehlungen, Direktansprache und frühe Marktindikatoren die Jobsuche entscheidend beeinflussen.


Chapter 1

Imported Transcript

Lena

Willkommen bei ISA Signal. Ich bin Lena.

Marc

Und ich bin Marc. Heute geht es um den verdeckten Arbeitsmarkt.

Lena

Also um all die Stellen, die besetzt werden, ohne dass je ein Inserat erscheint. Fuer viele klingt das nach einem Geruecht.

Marc

Ist es aber nicht. Es ist der Normalfall. Und genau deshalb schauen wir uns heute an, wie dieser Teil des Marktes funktioniert.

Lena

Die Frage der Folge lautet: Wenn der groessere Teil des Marktes unsichtbar ist, wo genau schaut man dann hin?

Marc

Wir gehen das in mehreren Kapiteln durch. Zuerst die Zahlen, dann die Stellenmeldepflicht, dann die Signale vor der Ausschreibung, und am Schluss die Konsequenzen fuer die eigene Suche.

Lena

Fangen wir bei der Zahl an. Sechzig Prozent klingt hoch. Woher kommt sie?

Marc

Aus dem Arbeitsmarktbarometer von Alixio Mobility aus dem Jahr zweitausendfuenfundzwanzig, ergaenzt um Auswertungen der Metapage. Beide kommen unabhaengig voneinander auf eine aehnliche Groessenordnung.

Lena

Hast du dafuer einen Fall, den man sich vorstellen kann?

Marc

Ja. Ein Zuercher Industriebetrieb sucht eine Bereichsleitung Produktion. Die Personalabteilung schreibt am Inserat, parallel erzaehlt der abtretende Leiter im Team davon. Zwei Wochen spaeter ist die Stelle besetzt, mit einer Empfehlung aus dem eigenen Haus. Das Inserat erscheint nie.

Lena

Und das ist kein Einzelfall.

Marc

Nein. Genau dieses Muster beschreibt das Arbeitsmarktbarometer von Alixio Mobility. Eine Ausschreibung ist teuer, langsam und riskant. Wenn im Team schon jemand jemanden kennt, ist die Stelle in drei Wochen besetzt statt in vier Monaten.

Lena

Aber es gibt doch die Stellenmeldepflicht. Die sorgt fuer Transparenz.

Marc

Nein. Das ist der haeufigste Irrtum. Nach den Angaben des SECO gilt sie nur fuer bestimmte Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit. Die Reichweite liegt bei rund fuenf Prozent der Beschaeftigten.

Lena

Wie sieht das konkret aus?

Marc

Eine kaufmaennische Fachkraft im Kanton Bern sieht die gemeldete Stelle fuenf Tage frueher als der Rest. Fuer diesen Beruf ist der Vorsprung real. Fuer die Bereichsleitung aus dem ersten Kapitel aendert sich nichts, weil dieser Beruf gar nicht meldepflichtig ist.

Lena

Da wuerde ich einhaken. Ganz wertlos ist das Instrument also nicht.

Marc

Wertlos nicht, nein. Es ist ein Schutzinstrument fuer einzelne Berufsgruppen. Nur ist es kein Fenster in den Markt, und es traegt keine Suchstrategie.

Lena

Dann drehen wir es um. Wo schaut man hin, wenn die Ausschreibung erst das Ende ist?

Marc

Auf die Signale davor. Die Auswertungen der Metapage zeigen, dass zwischen dem erkennbaren Ausloeser und dem Inserat oft Monate liegen.

Lena

Gib uns einen Fall.

Marc

Ein Medtech-Zulieferer im Mittelland schliesst eine Finanzierungsrunde ab und kuendigt eine zweite Fertigungslinie an. Wer zu diesem Zeitpunkt anfragt, spricht ueber eine Aufgabe, die es formell noch gar nicht gibt. Wer wartet, bewirbt sich ein halbes Jahr spaeter zusammen mit zweihundert anderen.

Lena

Also Wirtschaftsteil lesen statt Portale scrollen.

Marc

So ungefaehr. Finanzierungsrunden, Standorteroeffnungen, ein Abgang in der Geschaeftsleitung: genau diese Ausloeser beschreibt die Metapage in ihren Auswertungen als Vorlaufindikatoren.

Lena

Bleibt die Frage, warum jemand ausgerechnet mich anruft.

Marc

Weil man dich vorher gesehen hat. Das Arbeitsmarktbarometer von Alixio Mobility ordnet Empfehlungen und Direktansprachen als die beiden haeufigsten Zugaenge in den verdeckten Markt ein.

Lena

Und in der Praxis?

Marc

Eine Logistikleiterin haelt an einem Branchenanlass einen kurzen Fachvortrag ueber Retourenprozesse. Vierzehn Monate spaeter ruft jemand an, der im Publikum sass. Sie hatte in der Zwischenzeit gar nicht gesucht.

Lena

Vierzehn Monate. Das ist genau die Zeit, die man in einer Kuendigungsfrist nicht hat.

Marc

Richtig. Deshalb faengt man damit an, wenn man den Job noch hat. Wer erst im Verlust anfaengt, arbeitet gegen die Uhr.

Lena

Was heisst das fuer jemanden, der nach zwanzig Jahren im gleichen Betrieb neu anfangen muss?

Marc

Dass das Netzwerk meistens schon da ist, nur nie als Suchweg benutzt wurde. Lieferanten, ehemalige Kolleginnen, Kunden, der Verband. Das Arbeitsmarktbarometer von Alixio Mobility zeigt, dass genau diese Kontakte die haeufigsten Tueroeffner sind.

Lena

Und was macht man damit am Montagmorgen?

Marc

Zwanzig Namen aufschreiben, fuenf davon anrufen. Nicht mit der Frage nach einer Stelle, sondern mit der Frage, was sich in deren Bereich gerade veraendert. Die Stellen kommen aus den Antworten.

Lena

Das ist unangenehmer als ein Klick auf ein Portal.

Marc

Deutlich. Dafuer stehst du dort nicht gegen zweihundert Dossiers, sondern bist der einzige Mensch im Gespraech.

Lena

Zusammengefasst: Der Grossteil des Marktes ist unsichtbar. Die Meldepflicht aendert daran fast nichts. Der Zugang laeuft ueber fruehe Signale und ueber Menschen, die einen kennen.

Marc

Eine Ergaenzung noch. Unsichtbar heisst nicht verschlossen. Er ist offen fuer die, die frueh genug hinschauen.

Lena

Der naechste Schritt fuer heute: die zwanzig Namen aufschreiben. Mehr braucht es fuer den Anfang nicht.

Marc

Und die fuenf Anrufe in den Kalender eintragen. Sonst passiert es nicht.

Lena

Danke fuers Zuhoeren. Bis zur naechsten Folge.